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Nel und das trübe Wasser

6 bis 8 Jahre · Mittel · Abenteuer · von Camillo · 🎧 1× angehört

Folge 4 · Serie „Nel und das Wasser hinter dem Berg"

Am Dienstagmorgen machte der Brunnen von Halbrinn ein neues Geräusch. Erst Rost, dann Luft, dann kam Wasser. Aber es war braun wie Kakao ohne Freude.

Über dem Dach der Schmiede flog in diesem Moment Zunder vorbei. Im Schnabel trug die grosse Dohle etwas Rundes, Glänzendes. Niemand im Dorf schaute nach oben. Nel schaute in ihren Becher.

"Der Brunnen sagt jetzt: Erde", sagte Nel.

Der Rat trat zusammen und beriet. Dann beschloss der Rat, in vierzehn Tagen zu beraten.

"Vierzehn Tage", sagte Nel. "Bis dahin haben wir Suppe im Krug."

Bo stand schon mit dem Rucksack im Türrahmen. "Ich habe Brot dabei. Ich bin schliesslich kein kleines Kind mehr."

Hannes seufzte auf die Art von Erwachsenen, die längst entschieden haben. Er holte Nels Mutter dazu, packte den Werkzeugsack und die Regenplane. Nel legte einen Zettel auf den Küchentisch, wo er nicht zu übersehen war.

Am Windtor pfiff der Wind wie immer. Bo lief hinein und landete im Gras.

"Der Wind ist frech", sagte Bo.

"Der Wind ist nur ehrlich", sagte Hannes. Er spannte die Plane über zwei Stöcke und hielt sie schräg. "Man muss dem Wind nicht widersprechen. Man muss ihn nur falsch zitieren."

So schoben sie sich seitwärts durch das Tor, Schritt für Schritt. Nel zählte laut bis zwanzig. Bei achtzehn waren sie hindurch.

Im Steinhaus ohne Dach sassen die Dohlen auf den Mauerkanten. Dohlen bauen ihre Nester gern in Mauerlöchern und alten Kaminen. Dieses Haus war für sie ein Palast mit vielen Zimmern.

Zunder landete auf Hannes' Werkzeugsack und schimpfte ihn aus.

"Guten Tag auch", sagte Hannes.

Bo entdeckte in einer Mauernische etwas Rundes aus Messing. Ihre Hand war schneller als ihr Kopf.

"Nicht nehmen", sagte Nel. "Tauschen."

"Ich wollte es nur anschauen", sagte Bo. Sofort schrien vierzehn Dohlen gleichzeitig. Sie flatterten so wild, dass Hannes die Plane über alle drei zog. Darunter sassen sie fest wie drei Kartoffeln in einem Sack.

"Wir sind gefangen", sagte Bo feierlich.

"Wir sind unter einer Plane", sagte Nel. "Das ist etwas weniger schlimm."

Hannes kramte eine glänzende Messingmutter aus dem Werkzeugsack. Nel legte sie in die Nische und nahm das runde Ding heraus. Es war ein Sieb, fein wie ein Kuchengitter. Die Dohlen wurden still. Zunder prüfte den Glanz der Mutter und war zufrieden.

"Das ist kein Schmuck", sagte Hannes langsam. "Das ist das Sieb aus dem Zulauf."

Oben am Becken zwischen Eis und Stein stand Vrenja mit ihrer Laterne. Sie stand sehr lange still, bevor sie sprach.

"Ich habe überall gesucht", sagte sie. "Seit dem Sturm läuft Laub und Sand in die Leitung. Ich weiss nicht, wohin das Sieb verschwunden ist."

"Wir schon", sagte Nel und hielt es hoch.

Vrenja lachte, und es klang, als würde ein alter Deckel aufgehen. "Diese Diebe mit Federn."

"Keine Diebe", sagte Bo. "Sammler."

Nun kam die enge Stelle. Der Zulauf lag hinter einem Spalt im Fels, schmal wie ein Buchrücken. Nel schaute hinein und ihr Bauch wurde klein.

"Ich zähle", sagte sie. "Eins. Zwei. Drei."

Sie schob sich hinein, das Sieb zwischen den Zähnen wie ein Hund seinen Stock. Sie zählte bis neunzehn. Dann sass das Sieb im Rohr, klick, wie ein Knopf im Knopfloch.

Hannes schaufelte danach Sand in einen Kasten vor dem Becken. "Wasser wird klar, wenn es langsam durch Sand geht", sagte er. "Der Sand hält den Dreck. Das Wasser darf weiter."

"Der Sand ist also der Türsteher", sagte Bo.

"Genau", sagte Hannes. "Und ein sehr geduldiger."

Am Abend gingen sie heim, mit dem Wind im Rücken diesmal. Zunder ritt auf dem Werkzeugsack und beschimpfte jeden Stein.

Im Dorf drehte jemand am Brunnen. Erst Rost, dann Luft, dann Wasser, klar wie Glas. Nel füllte einen Becher und trank ihn ganz aus.

Der Rat beschloss zwei Tage später, ein zweites Sieb aus Messing anfertigen zu lassen. Als Ersatz, für alle Fälle. Der Rat sagte, das sei seine Idee gewesen.

"Natürlich", sagte Nel.

Vrenja schenkte ihr das alte Kuchengitter aus ihrer Hütte, geputzt und glänzend. Es hing danach über Nels Bett.

Am nächsten Morgen fehlte in der Küche ein Löffel. Auf dem Küchentisch lag stattdessen ein Kieselstein mit einem hübschen weissen Streifen.

"Nicht Diebstahl", sagte Nel. "Tausch."

Diese Geschichte wurde von künstlicher Intelligenz erstellt. Bitte lies sie vor dem Vorlesen kurz an.

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