Die Gute-Nacht-Runde und der kleine Schnaufer
6 bis 8 Jahre · Mittel · Gutenacht · von Camillo · 🎧 1× angehört
Jeden Abend machte Mila mit Opa Theo die Gute-Nacht-Runde durch den Garten. Opa nahm die Laterne. Mila nahm Opas Hand. Und die Katze Bommel kam immer hinterher, dick und langsam wie ein Kissen auf Beinen.
Am ersten Abend blieb Opa beim Apfelbaum stehen. „Gute Nacht, Apfelbaum, gute Nacht, Ast. Schlaf schön, du alter Blätterpalast.“
„Opa“, sagte Mila, „schläft der Baum wirklich?“
„Natürlich“, sagte Opa. „Bäume ruhen im Dunkeln. Sie machen erst morgen wieder Zucker aus Licht.“
Mila kicherte. „Zucker aus Licht? Dann ist der Baum ein Bäcker.“
Da raschelte es hinter der Gießkanne. Mila sah etwas Kleines, Rundes, Stacheliges. Es schnaufte leise wie eine winzige Lokomotive.
„Opa, da ist ein …“
Opa drehte sich um. Das Raschelding war schon weg. „Da ist gar nichts“, sagte Opa. „Ich habe Augen wie ein Luchs.“
„Dann brauchst du eine Brille für Luchse“, sagte Mila. Bommel gähnte.
Am zweiten Abend nahm Opa die Laterne. Mila nahm Opas Hand. Bommel kam hinterher, dick und langsam wie immer. Nur blieb Opa diesmal nicht beim Apfelbaum stehen, sondern beim Kompost.
„Gute Nacht, Kompost, gute Nacht, du Haufen. Morgen wirst du Erde, dann darfst du laufen.“
„Kompost kann nicht laufen“, sagte Mila.
„Doch“, sagte Opa. „Im Frühling läuft er als Karotte davon.“
Und da war es wieder. Zwischen den Laubblättern schob sich etwas Rundes hervor. Es hatte eine spitze Nase und schwarze Knopfaugen. Es schnaufte: pff, pff, pff.
Mila stand ganz still. Sie zog dreimal an Opas Ärmel.
„Was denn?“, fragte Opa und drehte sich um. Das Laub lag flach und ruhig da.
„Ein Schnaufer“, flüsterte Mila.
„Ein Schnaufer bin ich“, sagte Opa, „wenn ich die Treppe hochgehe.“
Bommel schaute genau zum Laubhaufen. Katzen sehen im Dunkeln besser als Menschen. Bommel sagte nichts, denn Katzen verraten nie etwas.
Am dritten Abend nahm Opa die Laterne. Mila nahm Opas Hand. Aber Bommel kam nicht hinterher. Bommel saß schon am Laubhaufen und wartete.
„Bommel, du bist heute vorne“, sagte Opa. „Das gehört sich nicht.“
Und dann blieb Opa stehen. Ganz plötzlich. Denn im Licht der Laterne stand ein Igel. Er war klein wie eine Faust. Seine Nase zitterte. Er schnaufte: pff, pff, pff.
„Oh“, sagte Opa leise. „Da ist ja doch etwas.“
„Das sage ich seit drei Abenden“, flüsterte Mila.
Opa ging in die Hocke. Seine Knie knackten wie trockene Zweige. „Weißt du, was das Besondere an ihm ist?“, fragte er. „Er trägt ungefähr achttausend Stacheln. Und keinen einzigen Zahn zu viel.“
„Achttausend?“, staunte Mila. „Hast du die gezählt?“
„Nur bis vier“, sagte Opa. „Dann ist mir schwindelig geworden.“
Der Igel wollte in den Laubhaufen. Doch der Wind hatte das Laub weggeweht. Da war nur noch kalter, nackter Boden.
„Er sucht ein Bett“, sagte Mila.
„Dann bauen wir eines“, sagte Opa.
Sie schoben Blätter zusammen, Handvoll für Handvoll. Sie legten trockenes Gras dazu. Sie stellten eine alte Holzkiste darüber, mit einem Loch als Tür. Bommel saß daneben und beaufsichtigte alles, ohne etwas zu tun.
Der Igel schnupperte. Er schnaufte. Dann verschwand er unter der Kiste, und drinnen raschelte es zufrieden.
„Gute Nacht, kleiner Schnaufer“, sagte Opa. „Gute Nacht, du Stachelkissen. Schlaf so tief, dass wir dich vermissen.“
Auf dem Rückweg war der Himmel weit und voller Sterne. „Da oben ist alles riesig“, sagte Mila.
„Und hier unten“, sagte Opa, „ist ein Igel unter einer Kiste. Beides zur gleichen Zeit.“
Dann wurde der Garten zum Weg. Der Weg wurde zur Tür. Die Tür wurde zum Flur. Der Flur wurde zu Milas Zimmer.
Mila lag im Bett. Die Decke war warm. Opa saß auf dem Bettrand.
„Opa“, murmelte Mila. „Machen wir morgen wieder die Runde?“
„Jeden Abend“, sagte Opa leise.
„Und übermorgen?“
„Auch.“
Milas Augen wurden schwer. Draußen war es ganz still. Nur ein winziges Schnaufen war zu hören, weit weg, unter einer Holzkiste.
„Hörst du ihn?“, flüsterte Mila.
„Ich höre ihn“, flüsterte Opa.
„Er hat achttausend Stacheln“, murmelte Mila. „Und ein Bett.“
Opa zog die Decke höher. Er stellte die Laterne auf den Boden. Er machte sie klein, dann kleiner, dann fast aus.
Und dann flüsterte er ganz leise in den dunklen Raum: „Gute Nacht, kleiner Schnaufer. Mila schläft schon.“
Diese Geschichte wurde von künstlicher Intelligenz erstellt. Bitte lies sie vor dem Vorlesen kurz an.
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