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Nel und der Ring im Rohr

9 bis 12 Jahre · Mittel · Abenteuer · von Camillo · 🎧 1× angehört

Folge 3 · Serie „Nel und das Wasser hinter dem Berg"

Der Brunnen von Halbrinn machte im Spätsommer etwas Neues. Morgens Wasser. Mittags Luft. Abends ein Geräusch wie ein Mensch, der etwas sagen will und es sich anders überlegt.

„Der Brunnen sagt jetzt gar nichts mehr", stellte Nel fest.

Der Rat beriet und beschloss, in vierzehn Tagen zu beraten. In vierzehn Tagen war die Ernte vorbei und der erste Frost da. Nel rechnete das zweimal nach, weil sie hoffte, sich zu irren.

Sie legte den Zettel auf den Küchentisch, wo er nicht zu übersehen war, und wartete, bis ihre Mutter ihn gelesen hatte. „Mit Hannes", sagte die Mutter. „Und zurück, bevor es dunkel wird." Bo stand schon im Türrahmen, Rucksack um, Brot dabei. „Ich bin schliesslich kein kleines Kind mehr."

Am Windtor blies es wie immer nach aussen. Bo versuchte es mit Kraft und landete im Gras. Beim zweiten Mal ebenfalls. Hannes' Regenplane hatte im Winter einen Riss bekommen und flatterte nutzlos. „Man muss dem Wind nicht widersprechen", sagte Hannes. „Man muss ihn nur falsch zitieren." Sie banden eine Schnur an Zunders Fuss, die grosse Dohle mit dem schiefen Flügel schoss schimpfend hindurch, und an der gespannten Leine zogen sie sich schräg durchs Tor, einer nach dem anderen, wie Wäsche, die nicht abhauen will.

Im Steinhaus ohne Dach hockten die Dohlen auf den Mauerkanten und prüften Glanz. Zwischen Federn und Scherben lag ein Messingring, so gross wie eine Handfläche, mit einer Kerbe darin. Hannes wurde ganz still. „Das ist eine Dichtung. Die gehört in ein Rohr."

Bo griff zu und steckte ihn ein.

Die Dohlen schrien. Nel sah den Ring in Bos Tasche und dachte an vierzehn Tage, an Frost, an den halben Nachmittag, den ein Rückweg kostete. Dann sagte sie: „Nicht nehmen. Tauschen."

„Wir haben keine Zeit", sagte Bo.

„Dann haben wir eben keine."

Sie gingen die dreissig Schritte zurück. Bo legte ihre Gürtelschnalle auf den Stein, das glänzendste Stück, das sie besass, und schaute weg dabei. Zunder begutachtete sie ausführlich und tat, als sei sie kaum der Rede wert. Danach ritt er auf Hannes' Werkzeugsack und beschimpfte ihn den ganzen Aufstieg lang.

In der Bergrinne fanden sie einen frisch gesetzten Stein, sorgfältig verkeilt. „Vrenja", sagte Bo sofort. „Sie hat wieder umgelenkt."

Vrenja kam mit ihrer Laterne den Hang herunter, ehe jemand etwas Falsches sagen konnte. „Vor drei Tagen habe ich das Rinnen gehört", sagte sie. „Ich habe den Stein gesetzt, damit weniger weggeht. In den Spalt komme ich nicht. Ich bin zu breit und zu alt, und beides wird nicht besser."

Der Spalt war schmal. Dahinter lag das Rohr, und aus der Muffe, wo der Ring fehlte, sickerte das halbe Dorf in den Berg.

Nel stand davor und mochte den Gedanken nicht. Sie mochte ihn so wenig, dass ihr die Ohren rauschten. Dann nahm sie den Ring, Hannes' kurzes Eisen und die Laterne und schob sich hinein.

„Eins", sagte sie laut. „Zwei. Drei." Der Stein hinter ihr rutschte nach, und plötzlich war das Loch, durch das sie gekommen war, eine Handbreit schmal. Kalt. Dunkel. „Vierundzwanzig", sagte Nel, weil ihr die Zahlen ausgingen und sie wieder von vorn anfing. Draussen keifte Zunder wie ein Marktweib, das übers Ohr gehauen wurde, und das war so lächerlich, dass Nel weiteratmen konnte. Sie schob den Ring in die Kerbe. Sie drückte, bis es klackte. Das Rinnen hörte auf.

„Nel!", rief Hannes. „Gib mir deine Hand."

Diese Geschichte wurde von künstlicher Intelligenz erstellt. Bitte lies sie vor dem Vorlesen kurz an.

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