Nel und das Licht, das ausblieb
9 bis 12 Jahre · Mittel · Abenteuer · von Camillo · 🎧 2× angehört
Folge 2 · Serie „Nel und das Wasser hinter dem Berg"
Jeden Abend, wenn es dunkel wurde, stand am Berg ein kleines Licht. Das war Vrenja mit ihrer Laterne am Becken, und es hiess: alles in Ordnung, das Wasser läuft.
Am dritten Winterabend blieb das Licht aus.
Nel stand am Fenster und zählte bis hundert, dann noch einmal bis hundert. Der Berg blieb schwarz. Am Morgen sagte der Brunnen erst Luft, dann Rost, dann nichts.
Der Rat beriet. Der Rat beschloss, dass im Winter niemand den Berg hinaufgeht, und dass man in vierzehn Tagen erneut berate. Nel sagte: „In vierzehn Tagen ist der Berg immer noch da. Vrenja vielleicht nicht mehr am Becken." Der Rat fand das unhöflich.
Nel weckte ihre Mutter, bevor es hell war, und erzählte ihr alles, auch das mit dem Licht. Ihre Mutter zog sich an, holte Hannes, und Hannes seufzte auf die Art von Erwachsenen, die schon entschieden haben. „Wir gehen zu dritt", sagte er. „Und wir sind vor der zweiten Nacht zurück." Bo stand mit dem Rucksack im Türrahmen, Brot dabei. „Ich bin schliesslich kein kleines Kind mehr."
Am Windtor lag Schnee wie Mehl. Der Wind kam diesmal nicht von vorn, sondern von oben, und drückte alles flach. Bo versuchte es mit Kraft und landete im Schnee. Zweimal, wenn man ehrlich ist. Hannes spannte die Regenplane zwischen zwei Stöcke, hielt sie schräg und sagte: „Man muss dem Wind nicht widersprechen. Man muss ihn nur falsch zitieren." Der Wind schob sie hindurch, als hätte er es selbst so gewollt.
Im Steinhaus ohne Dach sassen die Dohlen dicht wie graue Fäuste. Zunder, gross und mit schiefem Flügel, landete sofort mitten im Streit. Zwischen den Steinen glänzte etwas: das Glas von Vrenjas Laterne. Bo griff zu. „Nicht nehmen", sagte Nel. „Tauschen." Sie legte den zweiten Messingknopf ihres Mantels hin und Bo eine Brotrinde dazu. Erst hielt Nel das Glas für einen Beweis, dass die Dohlen etwas gestohlen hatten. Dann sah sie den Sprung darin. Das Glas war zerbrochen, weggeworfen, nicht geraubt. Also war Vrenja ohne Licht gewesen. Seit drei Tagen.
Am Stollen stand die Tür offen und war doch zu. Über dem Eingang war Wasser gesickert und zu einer Wand gefroren, dick wie ein Baumstamm. Dahinter, sehr weit weg, klopfte etwas.
„Vrenja?" rief Nel.
„Ich bin's", kam es dumpf. „Ich habe die Tropfen gezählt. Ich bin bei viertausendzweihundert. Es wird langweilig."
Hannes fand keine Stelle, an der er das Eis brechen konnte, ohne dass alles nachrutschte. Aber links, wo der Fels einen Riss hatte, war ein Spalt. Schmal. Sehr schmal. Genau so schmal, wie Nel es hasste.
Sie stand davor und spürte den Keller, den Schrank, den Tunnel aus dem letzten Sommer alle gleichzeitig. „Ich rede laut", sagte sie. „Wenn ich aufhöre, ruft ihr."
Drinnen war es schwarz und roch nach nassem Stein. Nel zählte. Eins, zwei, drei. Der Mantel klemmte, sie zog ihn aus und schob ihn vor sich her. Vierzehn, fünfzehn. Der Fels berührte ihre Schultern von beiden Seiten, freundlich wie eine Faust. Sie sagte laut: „Das ist ein Berg. Berge sind langsam. Berge tun nichts plötzlich." Neunundzwanzig. Dann eine Hand, warm, alt, und Vrenjas Stimme: „Du bist spät."
Der Schieber war zugefroren. Vrenja kannte den Berg besser als alle: Es gab einen zweiten, höher gelegen, und wenn man den nur halb öffnete, lief immer ein wenig Wasser, Tag und Nacht. „Wasser, das läuft, friert nicht", sagte sie. „Ich habe ihn zugemacht, um zu sparen. Das war der Fehler. Wieder mal."
Zu zweit stemmten sie ihn auf. Von aussen hörten sie Hannes' Schaufel, und dann fiel die Eiswand in Stücke, und Tageslicht kam herein wie eine Ohrfeige. Zunder sass auf Hannes' Werkzeugsack und beschimpfte ihn dabei ausführlich.
In Halbrinn sagte der Brunnen am nächsten Morgen erst Rost, dann Luft, dann Wasser.
Nel legte auf den Küchentisch, wo es nicht zu übersehen war, einen Zettel: Zwei Laternen für das Becken. Eine als Ersatz. Und alle vierzehn Tage geht jemand hinauf, auch im Winter.
Der Rat beschloss genau das und tat so, als sei es seine Idee gewesen. Nel liess ihn.
Am Abend stand am Berg wieder ein Licht. Und ein zweites, ein wenig tiefer, das Nel noch nicht erklären konnte.
Diese Geschichte wurde von künstlicher Intelligenz erstellt. Bitte lies sie vor dem Vorlesen kurz an.
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