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Nel und das Wasser hinter dem Berg

9 bis 12 Jahre · Mittel · Abenteuer · von Camillo · 🎧 1× angehört

Folge 1 · Serie „Nel und das Wasser hinter dem Berg"

Der Brunnen von Halbrinn versiegte an einem Dienstag, still und ohne Entschuldigung. Erst spuckte er Luft, dann Rost, dann nichts. Am Freitag stand das Dorf mit leeren Kannen um das trockene Becken, und der Rat beschloss, in vierzehn Tagen zu beraten.

Nel war elf und fand vierzehn Tage lang. Sie wollte wissen, wohin das Wasser gegangen war. Sie fürchtete nur eines: enge Orte. Keller, Schränke, Tunnel. Ihr Herz wusste das, noch bevor ihr Kopf es zugab.

Also schrieb sie ihren Eltern einen Zettel, legte ihn auf den Küchentisch, wo er nicht zu übersehen war, und ging damit zu Hannes, dem Rohrleger. Hannes las den Zettel zweimal.

"Der Rat sagt warten", sagte er.

"Der Brunnen sagt jetzt", sagte Nel.

Hannes seufzte auf die Art von Erwachsenen, die schon entschieden haben. Er holte ihre Mutter dazu, dann seinen Werkzeugsack. Bo, Nels Freundin, stand plötzlich im Türrahmen, mit Rucksack, und sagte, sie komme mit, sie sei schliesslich kein kleines Kind mehr, und ausserdem habe sie Brot dabei. Gegen Brot lässt sich schwer argumentieren.

Die erste Station war das Windtor, eine Felsengasse, durch die der Bergwind wie durch eine Flöte fuhr. Wer hinein wollte, wurde hinausgeschoben. Bo versuchte es mit Kraft und landete zweimal im Gras. Dann wickelte Hannes seine Regenplane um zwei Stöcke, hielt sie schräg wie ein Segel, und der Wind, der sie eben noch zurückgestossen hatte, zog sie nun brummend hindurch. "Man muss dem Wind nicht widersprechen", sagte Hannes. "Man muss ihn nur falsch zitieren."

Die zweite Station war ein Steinhaus ohne Dach, in dem Dohlen wohnten. Auf dem Boden lag, was sie über Jahre gesammelt hatten: Löffel, Knöpfe, Scherben. Und ein messingener Absperrgriff, wie er auf Wasserleitungen sitzt. Bo griff danach. Sofort stiegen dreissig Dohlen auf und schrien so empört, dass die Luft flimmerte. Nel hielt Bo am Ärmel fest.

"Nicht nehmen", sagte sie. "Tauschen."

Sie schnitt sich den Messingknopf vom Mantel, legte ihn hin und wartete. Eine grosse Dohle mit schiefem Flügel hüpfte heran, drehte den Knopf, prüfte den Glanz und stiess den Absperrgriff mit dem Schnabel weg, verächtlich, als hätte sie ihn nie gemocht. Danach flog sie mit. Bo nannte sie Zunder, weil sie so schnell in Streit geriet.

Die dritte Station lag hinter der Bergrinne: ein Becken aus Eis und Stein, randvoll, spiegelglatt, und darunter ein Stollen, aus dem ein Rohr kam, das nach Halbrinn hätte fliessen müssen und es nicht tat.

Nel ging hinein, weil sonst niemand dünn genug war. Der Stollen roch nach nassem Stein. Nach zwanzig Schritten fiel hinter ihr ein Holzschieber zu, und es wurde dunkel. Vollständig dunkel.

Sie hörte sich selbst atmen. Sie zählte. Bei sieben wurde das Zählen unsicher, bei elf wieder ruhig. "Ich bin ein Mädchen in einem Rohrkeller", sagte sie laut, "und Rohrkeller haben noch nie jemanden gefressen. Sie sind viel zu schlecht organisiert dafür." Ihre Stimme klang lächerlich. Das half.

Von aussen klopfte Hannes. Von innen klopfte etwas anderes.

Es war eine alte Frau mit einer Laterne, die vor Schreck fast zurückwich. Vrenja hiess sie, sie wohnte oben am Becken, und sie hatte den Zufluss vor zwei Wochen umgelenkt. Nicht aus Bosheit. Aus Angst. "Vor drei Sommern war die Quelle fast leer", sagte sie. "Ich dachte, ich sammle Vorrat. Für alle. Ich wollte es im Herbst erklären."

"Halbrinn hat kein Wasser", sagte Nel. "Nicht mal für den Herbst."

Vrenja stand sehr lange still. Dann gab sie Nel die Laterne und öffnete den Schieber.

Zurück gingen sie zu fünft: Nel, Bo, Hannes, Vrenja und Zunder, die auf Hannes' Werkzeugsack ritt und ihn beschimpfte. Am Brunnen von Halbrinn gluckerte es, spuckte Rost, dann Luft, dann Wasser. Das halbe Dorf schrie.

Der Rat wollte Vrenja bestrafen. Nel stellte sich daneben und sagte, sie habe oben ein Becken gesehen, das in trockenen Jahren das ganze Dorf retten könne, wenn jemand es richtig verwalte, und Vrenja kenne den Berg besser als alle. Es wurde laut. Es dauerte. Am Ende beschloss der Rat, was Nel vorgeschlagen hatte, und tat so, als sei es seine Idee gewesen.

Im Winter kam ein Brief vom Nachbartal. Dort, schrieb jemand, sei ein Bach verschwunden.

Nel faltete den Brief zusammen und legte ihn auf den Küchentisch, wo er nicht zu übersehen war.

Diese Geschichte wurde von künstlicher Intelligenz erstellt. Bitte lies sie vor dem Vorlesen kurz an.

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