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Weckli und der geklaute Morgen

6 bis 8 Jahre · Lang · Abenteuer · von Camillo · 🎧 1× angehört

Folge 1 · Serie „Weckli und der geklaute Morgen"

Eigentlich hiess Weckli Wendelin. Aber alle sagten Weckli.

Das kam so: Jeden Morgen sprang Weckli als Erstes aus dem Bett. Dann sang Weckli durch die ganze Wohnung, bis auch die Letzten wach waren. "Ein Weckli am Morgen", sagte Mama gähnend, "ist besser als jede Uhr."

An diesem Morgen aber war etwas falsch. Weckli wachte auf, und das Zimmer war dunkel. Grau. Zugeklebt.

Weckli tappte ans Fenster. Draussen stand Nebel wie nasse Watte. Kein Licht, kein Streifen, nicht einmal ein bisschen Rosa.

"Der Morgen ist weg", flüsterte Weckli.

Das Zimmer fühlte sich plötzlich viel zu klein an. Weckli zog Hose, Pullover und Gummistiefel an. Dann schrieb Weckli einen Zettel und legte ihn auf Mamas Kissen: "Bin beim Bach. Ich hole den Morgen zurück. Weckli."

So ging es los, mitten in die graue Watte hinein.

Die erste Station war der Hühnerhof von Nachbarin Frau Trüb. Dort stand Hahn Hektor auf dem Misthaufen, plusterte sich auf und machte: "Kik – hicks!"

"Guten Morgen, Hektor", sagte Weckli.

"Nichts ist gut", schnaufte Hektor. "Ich habe Schluckauf. Und ohne mein Krähen kommt kein Morgen. Das ist hier die Regel."

"Stimmt das wirklich?", fragte Weckli.

"Natürlich", sagte Hektor stolz. "Kik – hicks!"

Weckli überlegte. In der Schule hatte die Lehrerin erzählt, dass Hähne eine innere Uhr haben. Sie krähen sogar dann, wenn es noch stockdunkel ist. Das Licht macht sie nicht wach, sie sind einfach früh dran.

"Hektor", sagte Weckli, "dein Kopf hat eine Uhr eingebaut. Die tickt auch bei Nebel."

"Trotzdem: hicks."

Weckli holte Wasser aus dem Brunnen, in einem alten Blechnapf. "Trink langsam. Und zähl dabei bis sieben."

Hektor trank. Er zählte. Er wartete. Dann riss er den Schnabel auf: "Kikeriki!"

Es blieb grau. Aber Hektor fühlte sich grossartig.

"Ich komme mit", sagte er. "Ohne mich findet ihr den Morgen nie."

Die zweite Station war der Garten von Herrn Balz, hinter der hohen Hecke. Das Tor war zu. Davor sass eine Schnecke, gross wie eine Faust, mit einem gestreiften Haus.

"Ich bin Salomea", sagte die Schnecke. "Hier kommt nur durch, wer reimt."

"Wer reimt?", fragte Hektor. "Ich krähe."

"Krähen ist kein Reimen", sagte Salomea streng.

Weckli dachte nach. Dann sagte Weckli: "Salomea, Schnecke fein, lass uns durch dein Törchen ein. Wir sind schnell, wir sind nicht schwer, hinter uns kommt niemand mehr."

Salomea klatschte mit den Fühlern, was bei Schnecken ziemlich lange dauert. "Bestanden", sagte sie. "Aber im Garten hilft euch das auch nichts."

Im Garten standen dreissig Sonnenblumen. Alle hingen mit dem Kopf nach unten wie müde Kinder. Zwischen ihnen brummte eine dicke Biene im Kreis.

"Ich bin Brumsel", sagte die Biene. "Und ich bin arbeitslos."

"Warum denn?", fragte Weckli.

"Die Blüten sind zu. Blüten öffnen sich für die Sonne. Keine Sonne, keine Blüte. Keine Blüte, kein Frühstück."

Weckli kniete sich hin. Junge Sonnenblumen drehen ihren Kopf mit der Sonne mit, von Osten nach Westen. Das hatte Weckli in einem Buch gesehen.

"Ihr schaut alle in dieselbe Richtung", sagte Weckli langsam. "Nach dort hinten. Ins Tal."

Und wirklich: Alle dreissig Köpfe hingen nach Osten, ins Tal, wo der Nebel am dicksten war.

"Da ist unser Morgen", sagte Weckli. "Die Blumen zeigen ihn uns."

"Das habe ich gerade sagen wollen", sagte Hektor.

Die dritte Station war der Talgrund am Bach. Dort stand ein Wagen mit einem Dach aus alten Regenschirmen. Darauf war gemalt: "Nebel, frisch, jede Menge."

Daneben stand ein langer, dünner Mann mit einem Hut voller Löcher. Er rührte in einem Kessel. Und rundherum, auf zwölf Regalbrettern, standen Gläser. In jedem Glas leuchtete etwas Goldenes.

"Guten Morgen", sagte Weckli höflich.

"Es gibt keinen Morgen", sagte der Mann fröhlich. "Ich bin der Nebelkrämer. Ich habe ihn eingemacht. Glas für Glas. Ganz sauber gepflückt."

"Warum denn?", rief Weckli.

"Geschäft ist Geschäft. Bei Sonne kauft niemand Nebel. Bei Nebel kauft jeder Nebel." Er lachte und stülpte einen riesigen Weidenkorb über Weckli, Hektor und Brumsel. "So. Jetzt sitzt ihr fest."

Unter dem Korb war es eng und roch nach Kartoffeln.

"Das ist ja gemütlich", sagte Hektor. "Nur kein Frühstück."

"Ich sitze auf deinem Fuss", sagte Brumsel.

"Ich habe keine Füsse", sagte Salomea von draussen. "Ich schaffe das Tempo nicht, aber ich bin unterwegs."

Weckli spähte durch die Weidenlücken. Der Nebelkrämer rührte weiter und summte. Sein Hut war voller Löcher, und in einem Loch steckte ein kleiner goldener Schlüssel. Bei jeder Bewegung wackelte er. Der Nebelkrämer merkte nichts davon. Er kratzte sich sogar am Kopf und schob den Schlüssel dabei noch weiter nach vorn.

"Nebelkräm

Diese Geschichte wurde von künstlicher Intelligenz erstellt. Bitte lies sie vor dem Vorlesen kurz an.

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